Smartphone und Social Media Sucht
Handysucht: Die Hälfte aller Jugendlichen fühlt sich abhängig vom Smartphone. Foto: iStock.com/photoschmidt.

Handysucht und Social Media-Abhängigkeit: Wie gefährdet bist Du?

Stolze 88 Mal schauen wir durchschnittlich am Tag auf unser Smartphone. Wir checken Nachrichten, scrollen durch Facebook, warten darauf, dass etwas passiert. Doch woher kommt die Handysucht und die Angst, etwas zu verpassen?

Die kursierenden Zahlen von Forschern zum Thema Handysucht sind erschreckend. Bis zu 88x entsperren wir am Tag unser Handy, aktiv nutzen wir unser Smartphone täglich zwischen 145 und 225 Minuten. In dieser Zeit kommen wir auf satte 2.600 bis 5.400 “Touches”, also Tastaturanschläge, Unlocks, Likes, etc. Als handysüchtig gilt, wer am Tag mehr als 60x auf sein Smartphone schaut.

Eine einzelne Textnachricht allein hat schnell 100 Zeichen und mehr. Die Marke von 5.000 Touches lässt sich so ganz relativ schnell erreichen. Wirft man jedoch einen Blick auf die durchschnittliche Nutzungsdauer am Handy, so wird es bedenklich.

Handysucht ist weit verbreitet

33% der Teenager verbringen mehr Zeit mit ihrem Smartphone als mit Freunden im realen Leben. Die Hälfte der Menschen fühlt sich unwohl, wenn sie ihr Handy zu Hause lässt. Durchschnittlich 45 Minuten pro Tag verbringt ein Erwachsener jeden Tag in sozialen Netzwerken wie Instagram, Facebook oder TikTok. Bei Jugendlichen ist die Zeitspanne meist um einiges länger. Hinzu kommt Zeit fürs Surfen, Spiele, YouTube, Messenger Dienste und fürs telefonieren.

Zwischen 2,5 und 4 Stunden benutzen wir so durchschnittlich am Tag unser Smartphone. Der eine mehr, der andere weniger. Bei 7 Stunden Schlaf entspricht das gut 15-23% der Zeit, die wir wach sind.

Smartphone-Nutzung meist ohne Mehrwert

Lässt man die Beantwortung wirklich wichtiger Telefonate und Nachrichten mal außen vor, sind unsere Tätigkeiten am Smartphone meist ohne großen Mehrwert. Im Minutentakt öffnen viele von uns Facebook, Instagram und Co.. Es werden belanglose Whatsapp-Nachrichten geschrieben, Bilder kommentiert und alltägliche Tätigkeiten mit Freunden und völlig unbekannten Followern geteilt.

Eltern posten Bilder der Tochter beim Zahnarzt, der Hobbysportler muss zeigen, dass er – wie jeden Tag – Sport macht, Fotos werden mit Bildfiltern und Hashtags versehen, es wird geliked, geteilt und getippt, was das Zeug hält.

Gefahr der Stigmatisierung

Aber wer sind eigentlich diese Leute, die es täglich auf 5.000 Smartphone-Berührungen bringen und unter Handysucht leiden? Wer sind die Menschen, die jeden ihrer Schritte mit der Welt teilen und nach der Studie als handysüchtig gelten?

Sucht nach Anerkennung und Bestätigung durch soziale Medien
Die stetige Sucht nach Anerkennung

Oft sind es Menschen, denen es in der Vergangenheit an Anerkennung fehlte. Vielfach auch Menschen, die Angst haben, in der Anonymität unserer Gesellschaft unter zu gehen oder ihren Platz noch nicht gefunden haben. Jedes Bild, jedes Posting, welches dem virtuellen Freundeskreis sichtbar gemacht wird, ist ein Hilfeschrei à la “Bitte beachte mich!”, “Schau doch, mein Leben ist auch spannend!”.

Fragt man diese Leute, ob sie mit ihrem Foto vor 20 Jahren in gedruckter Form auch in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis hausieren gegangen wären, erntet man trauriges Kopfschütteln.

Die digitalen “Likes”, “Herzchen” und Kommentare scheinen für viele zur krankhaften Sucht geworden zu sein. Und das obwohl sie genau wissen, dass sie diese oft nur deswegen erhalten, um zurück zu “liken” oder zu kommentieren.

Keine Frage, jeder freut sich, wenn er über wichtige Ereignisse oder Erlebnisse des engsten Freundes- und Familienkreises informiert ist und gar in Form von Bildern daran teilhaben kann. Aber – den “Ich-like-alles”-Benutzer mal außen vor gelassen – interessiert es wirklich irgendjemand, dass du beim Sport bist oder ein Eis isst? Zeugt es von einem selbstbewussten Leben, wenn der sonntäglich Restaurantbesuch erst dann gelungen ist, wenn möglich viele von ihm wissen?

Im Gegenteil: Wie die Teile eines großen Puzzles ergänzt jedes einzelne Posting das Gesamtbild, welches die Menschen, die unsere Aktivitäten zu sehen bekommen, von uns haben. Trainiert jemand diszipliniert für sich selbst oder eigentlich nur, um anderen mitteilen zu können, dass er gerade etwas tut? Braucht derjenige Bestätigung oder lebt er einfach sein Leben und macht sein Ding?

Vielen ist gar nicht bewusst, wie sie mit ihren Posts in sozialen Netzwerken oft das Gegenteil ihres Wunsches nach Anerkennung erreichen. Ohne es zu merken, verstärken sie mit jedem ihrer Beiträge das Bild der Social Media Bitch: “Mir fehlt es an Selbstbewusstsein, ich brauche Bestätigung”.

Sucht nach Information

Die ständige Angst, etwas verpassen zu können, ist relativ neu. Sie war vor 20 Jahren in der heutigen Form faktisch nicht vorhanden. Wichtige Nachrichten standen am nächsten Tag in der Zeitung, kamen in Radio und TV und wenn Freunde etwas zu erzählen hatten, traf man sich und redete drüber.

Handysucht entsteht oft durch die Angst, online etwas verpassen zu können

Aus dieser einstigen Gelassenheit, mit welcher wir sehr gut leben (und überleben) konnten, ist das Gefühl geworden, stets erreichbar zu sein und das Handy checken zu müssen, um up-to-date zu bleiben.

Aber müssen wir das überhaupt? Müssen wir wirklich alle paar Minuten unser Smartphone in die Hand zu nehmen, nur um die neuesten 34 Gruppennachrichten (bestehend aus Memes und Kettenbriefen), Instagram-Bilder und Tiktok-Videos zu sehen? Müssen wir alle paar Minuten Spiegel Online und unsere E-Mails checken, um bloß keine Information zu verpassen?

Mit Sicherheit nicht. Die Welt wird sich weiter drehen und deiner Produktivität wäre ein großer Gefallen getan, wenn du das Handy einfach öfter mal in der Tasche lässt.

Versuche es doch mal so: Smartphone auf lautlos (nicht vibrieren) und alle 1-2 Stunden mal drauf schauen. Die wichtigsten Leute in eine VIP-Liste, so dass sie jederzeit anrufen können, alle anderen stumm. Nichts, aber auch rein gar nichts, was auf Facebook, Instagram, etc. passiert, ist so weltbewegend, als dass es nicht warten könnte. Du wirst staunen, was du in der so gesparten Zeit alles erledigt bekommst.

Handysucht als Zeitfresser

Als sogenannte Oppurtunitätskosten bezeichnet man Einkünfte, die dir dadurch entgehen, dass du vorhandene Chancen & Gelegenheiten (engl. “opportunities”) nicht genutzt hast. Denn egal, ob du nun Schüler/Student, angestellt oder selbständig bist: Mach dir mal für einen kurzen Augenblick bewusst, was du alles in der Zeit sinnvolleres tun könntest, in der du bisher regungslos auf dein Handy gestarrt hast.

Vielleicht sind es bei dir ja “nur” 2 Stunden, die du täglich mit deinem Handy verbringst. Dennoch handelt es sich hierbei um eine Form der Sucht, wenn du das nicht kontrollieren kannst. Bei einem Stundenlohn von nur 15 € sind das jedes Jahr mehrere tausend Euro, die du in dieser Zeit hättest verdienen können. Würdest du nur die Hälfte der Zeit in Sport oder ein Studium investieren, könntest du in 3 Jahren ganz woanders stehen. Denk mal drüber nach.

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Zusammenfassung

Das Smartphone und die sozialen Medien haben unser Leben stark verändert. Im Minutentakt checken wir unsere Smartphones und Tablets auf neue Informationen und Nachrichten, laden Bilder und Updates aus unserem Leben hoch, schauen Katzenvideos.

Die meisten dieser Tätigkeiten haben dabei keinen Mehrwert, wir denken nicht einmal darüber nach. So verplempern wir wertvolle Zeit, die wir vielleicht sogar sinnvoller hätten nutzen können.