Resilienz und mentale Stärke
Resilienz beschreibt unsere mentale Stärke gegenüber Krisen und Störungen. Foto: iStock.com/photoschmidt.

Resilienz und ihre Wirkung

Warum sind einige von uns stärker im Kopf und andere schwächer? Warum sind manche bereits mit kleinen Problemen überfordert, andere aber selbst mit großen nicht im geringsten? Die Wissenschaft hat interessante Antworten hierauf.

Sicher kennst du beide Charaktere aus deinem Freundes- und Bekanntenkreis. Da ist die eine Person, bei der es nicht viel braucht, um sie in großen Stress zu stürzen. Und da ist die andere, bei der dasselbe Geschehnis rein gar nichts verursacht. Er oder sie macht unbeirrt weiter, als wenn nichts wäre. Hat der vermeintlich Stärkere nun einfach gelernt, besser zu schauspielern oder ist er mental wirklich anders programmiert?

In der Tat ist Letzteres der Fall. Die Psychologie und speziell die sogenannte Resilienzforschung hat hier in den letzten Jahren interessante Dinge entdeckt.

Was meint Resilienz?

Rein physikalisch betrachtet beschreibt Resilienz die Toleranz, die ein System gegenüber Störungen hat. Auf den Mensch gemünzt bedeutet das also, wie hoch die Toleranz des Einzelnen gegenüber Krisen und Problemen ist.

Resilienz und mentale Stärke
Nicht jeder von uns hat die gleiche mentale Stärke

Ist diese Schwelle relativ niedrig, wird derjenige oft schon durch Kleinigkeiten, die nicht geplant waren, aus der Bahn geworfen. Durch solche Probleme gerät er psychisch schnell massiv unter Druck. Hat er dagegen eine hohe Toleranzschwelle, sieht er solche Ereignisse eher als Herausforderung an. Er lässt sich davon nicht so leicht aus der Ruhe bringen. In diesem Fall spricht man dann von einem resilienten Menschen.

Sicher hast auch du schon kleinere und größere Krisen erlebt. Einen Autounfall, das Ende einer Beziehung, die Konfrontation mit einer schweren Krankheit oder die plötzliche Kündigung im Job. Das Leben ist voll von solchen Herausforderungen, aber dennoch geht jeder anders damit um.

Entwicklung von Resilienz bei Kindern

Anhand von mehreren Studien wurde die Entwicklung von Kindern, die in teils erheblichen Krisen aufwachsen mussten, näher betrachtet. So untersuchte man Kinder, die beispielsweise in einem Krieg oder in Armut aufwuchsen, bei denen die Eltern psychisch krank waren, Alkoholprobleme hatten oder in Scheidung lebten. Oft waren diese Kinder auch gleich mit mehreren solcher Krisen auf einmal konfrontiert, was ihre mentale Verletzlichkeit deutlich steigerte.

Was aus den Kindern wurde, kannst du dir sicher ausmalen. Die meisten der Kinder (zwei Drittel um genau zu sein) scheiterten im Leben zunächst kläglich. Sie gerieten relativ oft auf die schiefe Bahn, bekamen selbst Alkohol- oder Drogenprobleme. Außerdem litten sie öfter unter psychischen Krankheiten wie Depressionen und zeigten teilweise massive Verhaltensstörungen. Sie kamen mit dem Gesetz in Konflikt und ihre Sterblichkeitsrate lag über dem Durchschnitt.

Resilienz und Kindheit
Die Kindheit hat einen wichtigen, aber keinen abschließenden Einfluss auf unsere Resilienz.

Das andere Drittel, welches dieselben Krisen durchlebt hatte, schien Mittel und Wege gefunden zu haben, sich zu arrangieren. Dieses hatte später einen festen Job, war nicht auf staatliche Hilfe angewiesen und zeigte sich auch sonst bei bester Gesundheit. Man fand heraus, dass sich die Verhaltensweisen dieser Kinder teilweise deutlich von denen mit Schwierigkeiten unterschieden.

So wurden die resilienten, also mental starken Kinder von ihrem Umfeld meist als sehr sozial, liebevoll, freundlich und aktiv empfunden. Sie hatten meist eine enge Bindung zu einer Bezugsperson wie einem Elternteil oder Betreuer und lernten so schneller die Kommunikation mit anderen. Dies steigerte wiederum ihr Selbstwertgefühl und ihr Erwarten ins Leben. Sie glaubten an sich selbst und waren davon überzeugt, ihr Leben selbst meistern zu können. Das ermöglichte ihnen, optimistisch ins Berufs- und Schulleben zu starten.

Resilienz im späteren Leben erlernbar

Die weniger resilienten Kinder hatten sich eher abgekapselt und waren mit ihren Gedanken für sich geblieben. Aber auch diese waren meist bis zum 40. Lebensjahr mental gefestigt. Durch einen stabileren Partner, schulische Ausbildung oder einen erfüllenden Beruf gelang es den meisten von ihnen, toleranter gegenüber den Krisen des Lebens zu werden.

Man folgerte hieraus, dass schlechte oder gar dramatische Ereignisse in der Vergangenheit einen Menschen zwar in der Entwicklung massiv beeinflussen können, aber eben nicht automatisch fürs ganze Leben zeichnen, wie oft zuvor angenommen. Ganz im Gegenteil, es zeigte sich somit, dass Resilienz etwas ist, was sich erlernen lässt.

Wenn du momentan also noch nicht so tolerant gegenüber Problemen und Krisen bist, mach dir klar, dass das nicht immer so bleiben muss. Mit jeder Krise wirst du automatisch stärker und somit toleranter für die stürmischen Wellen, die uns das Leben manchmal bietet.

Einfluss der Gene auf die Resilienz

Es gibt Stimmen (vgl. Scarr & McCartney, 1983), die der Auffassung sind, dass unsere Gene ebenfalls mitbestimmen, wie robust unsere Psyche einmal sein wird. Gerade in die Anfälligkeit, nach einer Misshandlung oder ähnlich schweren Krisen asoziale Verhaltensweisen zu entwickeln scheint diese Veranlagung mit rein zu spielen. Dies wird jedoch kontrovers diskutiert und bildet immer nur den Ausgangspunkt vor der Erziehung ab.

Erziehung und deren Einfluss auf die Resilienz
Eltern können ihren Kindern maßgeblich dabei helfen, mentale Stärke aufzubauen.

Was jedoch bewiesen ist, ist die Tatsache, wir sehr unsere frühen Erfahrungen in der Kindheit über unsere spätere Widerstandskraft entscheiden. So konnte gezeigt werden, dass Kinder von berufstätigen und gebildeten Eltern deutlich resilienter sind als von weniger gebildeten oder arbeitslosen Eltern. Auch konnte nachgewiesen werden, wie wichtig das familiäre Gefüge für die weitere Entwicklung ist.

So sind Einzelkinder oft resilienter, weil sie sich schon früh selbst organisieren mussten, Kinder die nur von einem Elternteil erzogen werden dagegen jedoch weniger widerstandsfähig. Hierbei ist interessant, dass Kinder alleinerziehender Mütter deutlich öfter Probleme haben als Kinder alleinerziehender Väter. So geraten Söhne, die ohne Vater aufwachsen öfter in die Kriminalität, während Töchter ohne Vater häufiger als Teenager schwanger werden.

In unseren ersten Lebensjahren bis hin zur Jugend ist es also nicht unerheblich, in welchem sozialen und familiären Gefüge wir aufwachsen, wie viel Unterstützung wir erhalten und wie liebevoll wir von unseren Eltern umsorgt werden. Gerade resiliente Kinder und Jugendliche suchen sich deshalb unbewusst oft bereits frühzeitig Bezugspersonen – auch außerhalb der Familie – um das eventuell nicht so gute Umfeld zu verlassen und sich so eine positivere Umgebung zu schaffen.

Aktuell ist man in der Forschung der Auffassung, dass jeder von uns von Geburt an verschiedene Faktoren mitbringt. Diese festigen oder verschieben sich in der Kindheit aufgrund des jeweiligen sozialen Milieus. Im späteren Verlauf können sie von jedem einzelnen bewusst ausgebaut werden.

Wie kann Resilienz in jungen Jahren gefördert werden?

Gerade Eltern können die Entwicklung der mentalen Widerstandskraft ihrer Kinder frühzeitig positiv beeinflussen, indem sie ein angenehmes soziales Umfeld schaffen. Dazu gehört z.B. die Kinder bei ihren Träumen und Vorhaben zu unterstützen, sie zu akzeptieren und zu achten, um ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen, als gutes Beispiel voran zu gehen und durch Gespräche enge emotionale Bindungen zu ihnen einzugehen. In mehreren Studien konnte zudem gezeigt werden, dass sich dies durch die Einbindung der Großeltern, sofern sie einen positiven Einfluss auf das Kind haben, zusätzlich steigern lässt.

Erziehung durch die Eltern

Potentiell resiliente Kinder lassen sich z.B. frühzeitig daran erkennen, dass sie in der Schule bessere Leistungen bringen als man von ihnen erwartet, das sie einfühlsamer und emotionaler sind und eher über ihre Gefühle sprechen.

Weitere Anzeichen sind realistische Vorstellungen über ihre Zukunft, ein großes Interesse an Menschen, Dingen und Ideen sowie eine bessere Disziplin.

Auch im späteren Jugendalter ist es von daher wichtig, kommunikative Fähigkeiten mitzugeben, also frühzeitig das aktive Auseinandersetzen mit der eigenen Umwelt sowie soziale Fähigkeiten, wie Hilfsbereitschaft und Vertrauen zu lehren. Auch eine realistische Zukunftsplanung sowie ein eventuell vorhandener religiöser Glaube wurde als förderlich nachgewiesen.

Wie kann man selbst resilienter werden?

Um sich selbst widerstandsfähiger, also resilienter, für die Krisen zu machen, die das Leben so mit sich bringt, ist es zunächst einmal elementar wichtig, dir klar zu machen, dass du selbst der Gestalter deines Lebens bist und aktiv Einfluss auf deine Zukunft nehmen kannst (vgl. auch » Werde zum Macher).

Dafür wichtig ist ein gesundes Selbstwertgefühl und vor allem auch das Selbstbewusstsein, alle Herausforderungen, die in Zukunft auftauchen werden, schaffen zu können. Dazu gehören auch Strategien um Probleme lösen zu können sowie ein optimistischer Blick nach vorne.

Achte darauf, lösungsorientiert zu arbeiten statt dich auf Probleme zu fixieren. Übernimm die Verantwortung für dein Handeln und lerne, dich selbst motivieren zu können. Versuche, dir deinen Humor zu bewahren und in jeder Situation etwas Positives zu sehen.

Darüber hinaus ist es wichtig, dir ein qualitativ hochwertiges soziales Netzwerk aufzubauen und zu pflegen. Dieses sollte dir Kraft und Unterstützung bieten, wenn es mal im Leben etwas schwieriger wird. Dazu gehören stabile Beziehungen zu Freunden und Familie sowie Bezugspersonen wie ein fester Partner.

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Zusammenfassung

Resilienz beschreibt die mentale Widerstandsfähigkeit eines Menschen gegenüber Krisen des Lebens. Krisen sind Veränderungen und Umstände in unserem Leben, mit denen wir vorher nicht konfrontiert waren und die uns deswegen zunächst einmal überfordern können. Wichtig ist aber, dass wir solche Momente als normale Abschnitte unseres Lebens betrachten und uns dann mit ihnen arrangieren.

Man geht davon aus, dass manche Faktoren für die Fähigkeit eben das zu können angeboren sind. Die meisten entwickeln sich scheinbar aber erst durch unser Leben. Wir können somit später auch selbst aktiv Einfluss auf die Entwicklung unserer Resilienz nehmen. Einflussfaktoren hierfür sind, wie angesprochen, das soziale Umfeld in welchem wir aufwachsen und uns später bewegen, sowie unsere eigene Erwartungshaltung an die Zukunft. Ebenso wichtig ist ein gesundes Selbstwertgefühl, eine optimistische Grundeinstellung sowie die Fähigkeit, Probleme als Herausforderung sehen zu können.

Grundlegend solltest du dir also stets vor Augen halten, welche Probleme und Krisen du bisher im Leben gemeistert hast und das du auch alle weiteren Herausforderungen im Leben meistern wirst. Unseren Kindern – und auch unseren vielleicht nicht so widerstandsfähigen – Freunden gegenüber sollten wir stets als gutes Vorbild voran gehen und sie dabei unterstützen, an sich und ihre Zukunft zu glauben.

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