Sinnkrise und der Wunsch nach Veränderung im Leben
Der Wunsch sich verändern zu wollen trifft viele von uns bereits in jungen Jahren. Foto: iStock.com/fcscafeine.

Sich verändern: Zeit für einen neuen Lebensweg

Es gab eine Zeit, da war eine Sinnkrise nur etwas für Männer mit den ersten grauen Haaren. Heute sind solche Phasen dagegen schon unter 20- und 30-Jährigen weit verbreitet. Woran das liegt, was wir dagegen tun können und warum sich verändern heute leichter ist als je zuvor.

Du stehst mitten im Leben, deine Ausbildung liegt hinter dir und du hast einen sicheren Job. Vielleicht liegt der Abschluss der Schule auch noch vor dir oder du steckst bereits mitten im Studium. Ganz egal, an welchem Punkt in deinem Leben du dich auch befindest. Womöglich fragst du dich, wohin die Reise in deinem Leben eigentlich gehen soll. Ob das, was du bisher getan hast, was du machst und was du planst, wirklich das Richtige ist.

Diese Selbstzweifel sind nicht schlimm, sondern ziemlich normal. Jeden von uns ereilen sie früher oder später. Den einen nur selten, den anderen oft. Während man diese Sinnkrisen früher eher in die Mitte des Lebens verortet hat (die sog. Midlife-Crisis), sind solche heute auch schon weitaus früher zu beobachten.

Selbstzweifel auch in jungen Jahren

Ein Grund hierfür mag der soziale Wandel sein. Während unsere Eltern und Großeltern gar nicht die Möglichkeiten dazu hatten, können wir uns heute nahezu jederzeit neu erfinden. Die sozialen Netze des Staates schützen uns vor Hunger, geben uns ein Dach über dem Kopf und versorgen uns mit dem Nötigsten. Einen anderen Lebensweg zu wählen ist dadurch heute bei Weitem nicht mehr so riskant, wie es früher einmal war.

Lebenskrise und der Wunsch sich zu verändern
Der Wunsch nach Veränderung trifft viele von uns bereits in jungen Jahren.

Dazu leben wir in einer Welt, die sich sehr schnell verändert. Die Technisierung sorgt dafür, dass ganze Berufe verschwinden, neue entstehen und es nur schwer möglich ist, auf dem Laufenden zu bleiben. Kein Wunder also, dass wir uns manchmal fragen, ob wir mit unserem Lebensweg noch “up to date” sind.

Dass diese Zweifel heute auch bei jungen Menschen auftreten, haben Ende der 90er Abby Wilner und Alexandra Robbins öffentlich gemacht. In ihrem Buch “Quarterlife Crisis: Die Sinnkrise der Mittzwanziger” (siehe unten) beschreiben sie die Symptome, welche eine Lebenskrise bereits zwischen 21-29 Jahren ausmachen kann. Sie ähneln stark denen der bekannten Midlife-Crises.

Anzeichen einer Sinnkrise

  • Angst vor der Zukunft und dem, was kommt
  • Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation
  • Einsamkeit und eine schwankende Stimmung
  • Das Gefühl, das andere besser oder erfolgreicher sind
  • usw.

Die Symptome sind dabei nicht klar definiert. Die Übergänge zu einer Depression o.ä. sind oft fließend.

Warum wir unser Leben hinterfragen

Kommen solche Selbstzweifel auf, ist einer unserer ersten Gedanken oft, dass mit uns etwas nicht stimmt. Meist sind wir gesund, haben ein Dach über dem Kopf und müssen nicht hungern. Dazu haben wir womöglich einen Job oder kommen zumindest über die Runden. Warum sollte es uns also schlecht gehen? Wir haben doch gar kein Recht dazu.

Rein objektiv betrachtet sind diese Zweifel jedoch durchaus rational. Denn dein Lebensweg, den Du irgendwann einmal eingeschlagen hast, beruht auf Entscheidungen in der Vergangenheit. So hast Du zum Beispiel aufgrund der Berufe deiner Eltern einen bestimmten Studiengang gewählt. Oder du hast einen beruflichen Weg eingeschlagen, der sich mit einem früheren Hobby von dir deckt.

Heute ist das aber vielleicht nicht mehr der Fall. Das frühere Hobby verfolgst du schon lange nicht mehr, der Job füllt dich nicht mehr aus. Das Studium macht keinen Spaß oder dir fehlt einfach die Abwechslung im Alltag.

Der Grund dafür ist die verstrichene Zeit. Du bist älter und reifer geworden. Dein Charakter hat sich geschärft, dein Freundeskreis und deine Interessen haben sich wahrscheinlich verändert. Hieran ist nichts schlimm. Es wäre weitaus seltsamer, wenn das nicht der Fall wäre.

Die Veränderungen akzeptieren

Auch wenn die Tatsache, dass wir uns ständig verändern, ganz normal ist, fällt es vielen Menschen schwer, das zu akzeptieren. Sie wollen zum Beispiel nicht wahr haben, dass sie sich nicht mehr mit ihren Freunden von früher verstehen oder keinen Spaß mehr an ihrem Job haben. Oft wird sich dann eingeredet, dass es sich hierbei bestimmt nur um eine Phase handle und alles schon wieder werden wird.

Diese grundsätzlich positive Einstellung ist natürlich gut. Schiebt man diese Gedanken jedoch über längere Zeit vor sich her, wird es schwierig. Sicher kennst du Menschen, die sich seit Jahren über den Job oder ihr Leben beschweren, aber nichts ändern. Vielleicht gehörst du selbst auch dazu, bist aber auf der Suche nach einem Ausweg zu uns gestoßen.

Veränderungen im Leben sind normal und wichtig
Dass wir uns im Laufe des Lebens verändern, ist völlig normal.

Sich verändern heißt zunächst einmal akzeptieren, dass du und deine Umwelt nicht mehr dieselben sind wie früher. Denke darüber ruhig mal kurz nach. Was ist seit damals, wo du bestimmte Wege gegangen bist, passiert? Bist du heute vielleicht in anderen Kreisen unterwegs als früher? Hast du dich weitergebildet? Lebst du mittlerweile in einer festen Beziehung? Oder hast du gar schlimme Ereignisse miterlebt?

Wenn du solche Fragen einmal ehrlich für dich beantwortest, wirst du schnell selbst verstehen, warum du Dinge heute anders siehst. Vielleicht hast du dich im Vergleich zu früher anders entwickelt als deine Freunde. Vielleicht fandst du Mathe in der Schule spannend, bist heute aber eher der kreative Typ. Es ist dann völlig logisch, dass du dich unwohl fühlst.

Präge dir diese Erkenntnis gut ein. Denn solche Momente, wo du im Leben alles hinterfragst, werden noch öfter kommen. Du musst sie dir nur eingestehen und dich aktiv mit ihnen befassen. Tust du das nicht, droht dir ein unzufriedenes und verbittertes Leben.

Den Status Quo bewerten

Jetzt, wo du weißt, dass es normal ist, dass du heute gewisse Dinge anders machen würdest, ist es an der Zeit, den Ist-Zustand zu bewerten. Es geht nicht mehr darum, wer du früher warst, sondern wer du heute bist. Die vergangene Zeit wird nicht wieder kommen.

Was macht dich heute aus? Was macht dir Spaß, mit wem und bei was fühlst du dich wohl? So einfach diese Fragen auch klingen mögen, leicht zu beantworten sind sie oftmals nicht. Manche von uns haben sich das noch nie so genau gefragt, andere kamen vielleicht schon lange nicht mehr dazu.

Gerade die zweite Variante solltest du dringend vermeiden. Viel zu oft leben wir unseren Alltagstrott, ohne unser Leben zu hinterfragen. Obwohl wir oft nicht glücklich sind, machen wir einfach weiter und hoffen, dass irgendwann schon wieder alles wird. Leider passiert das nur sehr selten. Stelle dir deshalb regelmäßig die Frage:

“Ist der Weg, den ich gestern gewählt habe, heute noch der Richtige?”

Wenn du Bauchschmerzen mit dem aktuellen Weg hast, warte ruhig etwas (vielleicht ein halbes Jahr), ob sie sich wieder legen. Oft handelt es sich wirklich nur um ein kurzes Gefühl der Unzufriedenheit, welches sich irgendwann wieder erübrigt. Das kann zum Beispiel in der Klausurenphase sein oder wenn es auf der Arbeit gerade stressiger ist als sonst.

Sollte das Gefühl jedoch länger anhalten, schau nach einem alternativen Weg. Das Leben ist zu kurz, einen Status Quo zu akzeptieren, der dich nicht glücklich macht.

Selbstbewusst nach vorne schauen

Unsere Lebenszeit ist begrenzt. Die Zeit die vor dir liegt, wird mit jeder Sekunde ein wenig kürzer. Für deine Wünsche, Träume und Visionen bleibt somit nicht unbegrenzt viel Zeit. Mache dir deswegen klar, dass es sich allein um dein Leben handelt und dass du das Recht hast, es nach deiner Passion zu gestalten.

Lebenskrisen selbstbewusst meistern
Sinnkrisen und Veränderungen selbstbewusst meistern.

“Die wahre Aufgabe eines Menschen ist es, zu leben, nicht nur zu existieren.”

Jack London

Befreie dich deswegen aus eventuell vorhandenen Zwängen, Dinge eigentlich nur deswegen zu tun, weil man sie von dir erwartet. Irgendwann wird der Moment kommen, in dem du auf dein Leben zurück blicken wirst. Gut möglich, dass ein großer Teil, der Menschen, denen du es recht machen wolltest, bis dahin nicht mehr lebt.

Falls du es bisher nicht gemacht hast: Fang damit an, zunächst immer an dich und deine Wünsche zu denken. Das dafür notwendige Selbstbewusstsein kann man erlernen.

Den neuen Lebensweg strategisch planen

Auch wenn es oft nicht schadet, spontane Entscheidungen zu treffen, solltest du einen neuen Lebensweg so gut wie möglich planen. Je nachdem, in welchem Bereich du dich verändern möchtest, kann das ganz unterschiedlich aussehen, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Beispiel 1: Sich beruflich verändern

Wenn dich dein aktueller Job nicht mehr ausfüllt, hast du mehrere Optionen. Sofern du schon Ideen hast, welche Berufe dich auch interessieren, kannst du direkt Stellenanzeigen lesen und dich bewerben. Auch wenn dir hierfür die eine oder andere Qualifikation fehlen sollte, muss das nichts heißen. Einige Jobs lassen sich auch bei der Arbeit erlernen, so dass eine Bewerbung oftmals nicht schadet.

Ist es dagegen so, dass du noch nicht so recht weißt, welcher Job zu dir passt, musst du anders vorgehen. In diesem Fall kann es interessant sein, sich einmal von der Vielzahl der vorhandenen Berufsfelder inspirieren zu lassen.

Bevor du einen neuen Job anstrebst, solltest du dir jedoch die Frage stellen, woher das schlechte Gefühl kommt. Liegt es wirklich am Beruf selbst oder nur daran, wie dein Job aktuell aussieht? Sollte eher das letzte zutreffen, hilft manchmal schon ein Gespräch mit dem Chef. Vielleicht lässt sich mit seiner Hilfe eine Lösung finden, von der beide Seiten etwas haben. Bringt das nichts, kann auch ein Wechsel des Arbeitgebers manchmal Wunder bewirken.

Beispiel 2: Neue Wege in Schule, Studium und Ausbildung

Falls du noch zur Schule gehst und du dich nach dem “Warum?” fragst, lass dir eines gesagt sein. Du bist nicht allein. Den meisten ging es mal so, auch uns. Auch wenn es schwer fällt: Setze alles daran, die Schule mit einem Abschluss zu verlassen. Ein fehlender Schulabschluss kann dir später mehr Probleme bereiten als du dir heute vorstellen kannst. Solltest du mit dem Lernstoff Probleme haben, sprich mit deinen Eltern, nutze Angebote zur Nachhilfe oder das Internet.

Womöglich liegt dein Schulabschluss aber bereits hinter dir und du fühlst dich in deinem Studium oder der Ausbildung nicht wohl. In diesem Fall solltest du abwägen. Liegt das Ende deines Studiums oder deiner Ausbildung noch weit vor dir und du dir sicher sein, dass du auf dem Holzweg bist, spricht nichts gegen einen anderen Weg. Verschwende keine Zeit für etwas, was dich schon lange unglücklich macht. Sollte das Ende jedoch schon in Sicht sein (z.B. weil schon mehr als die Hälfte hinter dir liegt), solltest du versuchen, das Ganze dennoch zu Ende bringen. So hast du am Ende zwar vielleicht einen Abschluss, den du nicht mehr einsetzen wirst, aber du hast etwas in der Tasche. Wer weiß, ob du den Abschluss nicht doch einmal brauchen wirst.

Beispiel 3: Sich selbständig machen

Vielleicht hast du eine tolle Idee für ein Produkt. Oder du möchtest einfach dein eigener Chef sein und die Zeit, in der du arbeitest, selbst einteilen. Egal, welcher Grund dich auch antreibt, ein Sprung in die Selbständigkeit ist super, sollte aber wohl überlegt sein.

Es ist nicht damit getan, Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen. Kosten für Krankenkasse, Steuern und eine gewerbliche Versicherung müssen ebenfalls eingeplant werden. Überlege deswegen, ob du dir vielleicht zunächst einmal neben deinem Job ein Gewerbe aufbauen kannst.

Beispiel 4: Einen gesünderen Lebensweg einschlagen

Du möchtest endlich den unnötigen Speck los werden oder fitter werden? Hierfür ist es nie zu spät. Wenn du es bisher nie geschafft hast, dich dahingehend zu verändern, solltest du es langsam angehen.

Zunächst solltest du dich auf die Ernährung konzentrieren, welche 80% des Erfolgs ausmacht. Setze dir kleine, aber klar definierte Ziele, wie z.B. dass du jeden Monat 1 Kilo abnehmen möchtest. Hierfür musst du meist nicht viel tun. Verzichte hierfür zum Beispiel unter der Woche auf Süßes. Oder ersetze eine Mahlzeit am Tag (z.B. das Brötchen vom Bäcker) durch eine gesunde Alternative (z.B. Müsli).

Gleiches gilt für den Sport: Fang langsam an. Du musst nicht von heute auf morgen fünf Mal wöchentlich laufen oder ins Fitnessstudio gehen. Ein oder zwei Mal kann am Anfang schon vollkommen ausreichen. Wichtig ist, dass du überhaupt anfängst und motiviert bleibst.

Neue Lebenswege nicht unendlich aufschieben

Zu guter Letzt möchten wir dir noch einen gut gemeinten Rat mit auf den Weg geben. Du bist wahrscheinlich hier gelandet, weil du unzufrieden mit deiner aktuellen Situation bist und etwas ändern möchtest. Weil du unglücklich bist und dich immer wieder fragst, ob das schon alles gewesen soll.

Was du jetzt nicht machen solltest

Schiebe diese Gedanken nicht zu weit weg. Drücke dich nicht vor einer Entscheidung, die eigentlich schon lange getroffen werden sollte.

Was du nun machen solltest

Halte an deinem Wunsch nach Veränderung fest und schiebe diesen Plan nicht immer weiter auf. Wenn dich etwas über längere Zeit nicht glücklich machst, musst du selbst tätig werden. Von allein wird sich nichts ändern. Nimm dir deswegen am besten so schnell wie möglich Zeit, über dich und deine Zukunft nachzudenken. Mach dir Gedanken über Alternativen, wäge sie gegeneinander ab und komm ins Handeln.

Es ist immer möglich, sich zu verändern. Du hast nur ein Leben und du solltest alles daran setzen, es so zu leben, dass du glücklich bist.

Empfehlungen zum Thema

Hat Dir diese Seite gefallen?
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars 4,25 / 5 (4 Votes)