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Von der Fähigkeit “nein” zu sagen

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Selbstdisziplin

Von der Fähigkeit “nein” zu sagen

Gehörst du auch zu den Menschen, denen es schwer fällt, ein “nein” über ihre Lippen zu bringen? Ich zeige dir, was dahinter steckt und was du effektiv tun kannst, aus dem Hamsterrad “Ja-Sager ” auszubrechen.

Jetzt ist es also schon wieder passiert. Du hast dich von deinem Chef dazu breitschlagen lassen, noch ein paar andere Aufgaben zu übernehmen, obwohl du eigentlich mit deinem jetzigen Bereich schon mehr als ausgelastet bist.

Es sind solche und ähnliche Situationen, die wir eigentlich gerne verneinen würden, uns aber nicht so recht trauen.

Da ist das sonntägliche Kaffee trinken mit den Eltern, vor dem es dir schon Montag abends graut, die Sauftour mit deinen Freunden und schließlich noch der Gang zum Bürgeramt, den du für deine Schwester erledigst, weil sie nicht mag.

Zeit und Lust hast du eigentlich nicht, aber als du gefragt wurdest, hast du es einfach wieder nicht übers Herz gebracht, “nein” zu sagen.

Aber woran liegt das eigentlich?

 

Warum es uns schwerfällt “nein” zu sagen

Normalerweise steht es uns ziemlich frei, allerlei Dinge abzulehnen oder anzunehmen wie es uns gefällt. Wir können nach unserem persönlichen Geschmack oder unserer aktuellen Stimmung entscheiden.

Ob nun ja oder nein, das Einzige was wir in letzter Konsequenz müssen, ist mit den Folgen dieser Entscheidung zu Recht kommen. Doch genau das macht vielen von uns Angst.

Wir malen uns WorstCase-Szenarien aus, was der andere dann wohl über uns denken mag und ob das nicht vielleicht der Freundschaft oder dem Kontakt schaden könnte.

So knicken wir dann ein und tun etwas worauf wir eigentlich gar keine Lust haben.

Lieber so, als das Risiko, dass der andere etwas Falsches denkt oder wir uns gar noch vor demjenigen rechtfertigen müssen.

Indem wir immer “ja” sagen, gehen wir Konflikten aus dem Weg, werden eventuell mehr gemocht und können die Schuld an unserem Leben anderen geben, weil wir uns ja ständig um sie statt um uns kümmern.

Dabei bemerken wir meist gar nicht, wie wir uns selbst mit so einem Verhalten schaden.

 

Unsinnigkeit & Gefahr des Ja-Sagens

Zum Einen stellen wir die Wünsche anderer immer über unsere eigenen Wünsche, was dazu führt, dass wir oft nicht mehr unser eigenes Leben sondern das der anderen leben.

Darüberhinaus unterschätzen Ja-Sager eine gewisse Gesetzmäßigkeit der Erziehung: Dadurch, dass sie ihrem Umfeld immer wieder aufs Neue zeigen, dass auf sie ja Verlass ist, erziehen sie eben dieses, dass man es mit ihnen auch machen kann.

Ein Beispiel:

Du bist auf der Arbeit ausgelastet, nimmst aber trotzdem jede zusätzliche Aufgabe deines Chefs an. Diese zusätzlichen Aufgaben führen jetzt zum einen dazu, dass dein Zeitplan nicht mehr aufgeht und du womöglich Überstunden machen musst und zum anderen – was noch viel fataler ist – dazu, dass dein Chef in Zukunft davon ausgeht, dass du diese Aufgaben ab jetzt immer erledigen wirst und er dir mehr geben kann.

Und so beginnt ein Teufelskreis. Dein Chef stellt bei jeder neuen dir übertragenen Aufgabe fest, dass du das immer noch unter bekommst und nimmt es als Normalzustand deiner Arbeitskraft wahr. Bis der Hamster dann irgendwann tot aus seinem Hamsterrad fällt.

Du siehst also, dass das Ja-Sagen gegenüber deinem Umfeld zwar lieb gemeint ist, du dir aber dadurch letztlich selbst schadest und dich im schlimmsten Fall sogar noch in immer größere Schwierigkeiten manövrieren kannst.

 

Tipps gegen den Ja-Sager in Dir

1.) Mach dir zunächst einmal Gedanken, warum du in der Vergangenheit Dinge eingewilligt hast, die du lieber abgelehnt hättest. Wolltest du einer Diskussion aus dem Weg gehen? Wolltest du einfach nicht blöd dastehen oder den Kontakt nicht gefährden?

2.) Überlege dir, was realistisch passieren könnte, wenn du “nein” sagst. Wird man dir die Freundschaft kündigen, wenn du dieses mal nicht mit um die Häuser ziehst? Werden deine Eltern dich enterben, wenn du Sonntag nicht zum Kaffee kommen kannst? Natürlich nicht. Das Leben geht weiter.

3.) Gewöhne dir an, dass du dir bei solchen Fragen eine Bedenkzeit einräumst. Es hat überhaupt nichts mit Unhöflichkeit zu tun, wenn du beispielsweise sagst “Ich schau mal, wie es zeitlich passt und gebe dir dann Bescheid”. So lässt du die Entscheidung zunächst einmal offen, dein Gegenüber weiß um ein eventuelles “nein” und du hast Zeit und Gelegenheit, in Ruhe und für dich darüber nachzudenken, ob du möchtest und kannst.

4.) Ein “Nein” lässt sich meist auch einfach dadurch entschärfen indem du es begründest. Man wird dir nicht böse sein, wenn du zeitlich verplant bist oder andere Dinge erledigen musst. Lass’ es aber keine Angewohnheit werden, dich dann immer und überall zu rechtfertigen. Das ist definitiv der falsche Weg und so viel Selbstbewusstsein musst du dann schon aufbauen.

5.) Eine weitere Möglichkeit, die sich auch gerade gut im Beruf nutzen lässt, ist alternative Vorschläge zu unterbreiten. So kannst du deinen Chef ruhig (und ohne Angst zu haben) fragen, ob du deine aktuelle Aufgabe verschieben und die neue Aufgabe erledigen sollst oder ob sie bis danach warten kann.

 

Nur damit das klar ist: Du musst kein Egoist werden, um öfter mal “nein” zu sagen. Das sollst du auch nicht. Dir sollte aber bewusst sein, dass du zunächst einmal an deine Bedürfnisse denken musst bevor du dich um die Bedürfnisse deiner Mitmenschen kümmern kannst. Deiner Umwelt bringst du nicht viel, wenn du dir selbst keine oder zu wenig Aufmerksamkeit schenkst.

Du wirst merken, dass dir jedes weitere “nein” leichter fallen und dein Selbstbewusstsein dadurch weiter gestärkt wird. Es ist wie so oft, eine reine Frage der Übung. Durch dieses neu erlernte Verhalten wirst du auf dein Umfeld auch automatisch authentischer und stärker wirken, eine Eigenschaft um die dich viele beneiden werden.

 

Quintessenz

Wir alle neigen gelegentlich dazu, Dingen nachzukommen, die wir eigentlich lieber ablehnen würden. Dadurch erhoffen wir uns Sympathien beim Gegenüber und müssen unsere Entscheidung nicht rechtfertigen.

Dieses Ja-Sagen führt dazu, dass wir uns immer mehr mit dem Leben anderer statt mit unserem eigenen Leben beschäftigen. Wir werden uns selbst untreu. Zusätzlich erziehen wir unser Umfeld dazu, dass ein “nein” von uns extrem unwahrscheinlich ist und man uns deswegen auch jederzeit fragen kann.

Analysiere deswegen, warum du in der Vergangenheit vielleicht oftmals “ja” gesagt hast, obwohl du gar nicht wolltest und mach dir klar, dass das Leben auch dann weiter gehen wird, wenn du hin und wieder einmal etwas dankend ablehnst. Nimm dir Zeit zu überlegen, ob du etwas machen möchtest oder nicht, begründe wenn nötig deine Entscheidung oder schlage Alternativen vor.

Du wirst sehen, dass es völlig okay ist “nein” zu sagen.

 

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“Wann immer du feststellst, dass du auf der Seite der Mehrheit bist, wird es Zeit innezuhalten und nachzudenken.”

 Mark Twain
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