So lernst Du, nein zu sagen

Zu nett für diese Welt? Durch 6 Tipps “Nein” sagen lernen

Gehörst du auch zu den Menschen, denen es schwer fällt, etwas abzulehnen? Wir zeigen dir, wie fatal das werden kann und wie einfach man “nein” sagen lernen kann.

Jetzt ist es also schon wieder passiert. Du hast dich von deinem Chef dazu breitschlagen lassen, noch ein paar andere Aufgaben zu übernehmen, obwohl du eigentlich mit deinem jetzigen Bereich schon mehr als ausgelastet bist.

Es sind solche und ähnliche Situationen, die wir eigentlich gerne verneinen würden, uns aber nicht so recht trauen. Da ist das sonntägliche Kaffee trinken mit den Eltern, vor dem es dir schon Montag abends graut, die Sauftour mit deinen Freunden und schließlich noch der Gang zum Bürgeramt, den du für deine Schwester erledigst, weil sie nicht mag.

Zeit und Lust hast du eigentlich nicht, aber als du gefragt wurdest, hast du es einfach wieder nicht übers Herz gebracht, “nein” zu sagen. Aber woran liegt das eigentlich?

Warum es uns schwerfällt, “nein” zu sagen

Normalerweise steht es uns ziemlich frei, allerlei Dinge abzulehnen oder anzunehmen wie es uns gefällt. Wir können nach unserem persönlichen Geschmack oder unserer aktuellen Stimmung entscheiden.

Ob nun ja oder nein, in letzter Konsequenz müssen, müssen wir einfach nur mit den Folgen unserer Entscheidung leben. Genau das jedoch macht vielen von uns Angst.

So malen wir uns WorstCase-Szenarien aus, was der andere dann wohl über uns denken mag. Oft befürchten wir sogar, dass das vielleicht der Freundschaft oder dem Kontakt schaden könnte. So knicken wir dann ein und tun etwas worauf wir eigentlich gar keine Lust haben. Lieber so, als das Risiko, dass der andere etwas Falsches denkt oder wir uns rechtfertigen müssen.

Indem wir immer “ja” sagen, gehen wir Konflikten aus dem Weg. Wir werden gefühlt mehr gemocht und können die Schuld an unserem Leben anderen geben. Schließlich haben wir ja uns ja immer nur um die anderen statt um uns selbst gekümmert. Dabei bemerken wir meist gar nicht, wie wir uns selbst mit so einem Verhalten tagtäglich schaden.

Unsinnigkeit & Gefahr des Ja-Sagens

Indem wir die Wünsche der anderen stets über unsere eigenen stellen, leben wir nicht mehr unser Leben, sondern das der anderen.

Darüber hinaus unterschätzen Ja-Sager eine gewisse Gesetzmäßigkeit der Erziehung. Dadurch, dass sie ihrem Umfeld immer wieder aufs Neue zeigen, dass auf sie Verlass ist, erziehen sie eben dieses, dass man es mit ihnen auch machen kann.

Nein sagen lernen statt Burnout riskieren

Ein Beispiel:
Du bist auf der Arbeit ausgelastet, nimmst aber trotzdem jede zusätzliche Aufgabe deines Chefs an. Diese zusätzlichen Aufgaben führen dazu, dass dein Zeitplan nicht mehr aufgeht und du womöglich Überstunden machen musst. Hinzu kommt aber, dass dein Chef in Zukunft davon ausgeht, dass du diese Aufgaben ab jetzt immer erledigen wirst. Schließlich hast du sie weder abgelehnt, noch hattest du Probleme, sie zu erledigen.

Und so beginnt ein Teufelskreis. Dein Chef stellt bei jeder neuen dir übertragenen Aufgabe fest, dass du das immer noch unter bekommst und nimmt es als Normalzustand deiner Arbeitskraft wahr. Bis der Hamster dann irgendwann mit Burn-out aus dem Hamsterrad fällt.

Du siehst also, dass das Ja-Sagen gegenüber deinem Umfeld zwar lieb gemeint ist, du dir aber dadurch letztlich selbst schadest. Im schlimmsten Fall bringst du dich damit sogar in immer größere Schwierigkeiten.

“Nein” sagen lernen: 6 Tipps

  1. Mach dir zunächst einmal Gedanken, warum du in der Vergangenheit Dinge eingewilligt hast, die du lieber abgelehnt hättest. Wolltest du einer Diskussion aus dem Weg gehen? Wolltest du einfach nicht blöd dastehen oder den Kontakt nicht gefährden?
  2. Überlege dir, was realistisch passieren könnte, wenn du “nein” sagst. Wird man dir die Freundschaft kündigen, wenn du dieses mal nicht mit um die Häuser ziehst? Werden deine Eltern dich enterben, wenn du Sonntag nicht zum Kaffee kommen kannst? Natürlich nicht. Das Leben geht weiter.
  3. Gewöhne dir an, dass du dir bei solchen Fragen eine Bedenkzeit einräumst. Es hat überhaupt nichts mit Unhöflichkeit zu tun, wenn du beispielsweise sagst “Ich schau mal, wie es zeitlich passt und gebe dir dann Bescheid”. So lässt du die Entscheidung zunächst einmal offen, dein Gegenüber weiß um ein eventuelles “nein” und du hast Zeit und Gelegenheit, in Ruhe und für dich darüber nachzudenken, ob du möchtest und kannst.
  4. Falls Freunde und Bekannte ein “Nein” von dir nicht akzeptieren, solltest du dir grundlegend Gedanken um dein soziales Umfeld machen. Echte Freunde werden dich so nehmen, wie du bist und dich bei deinen Prioritäten im Leben unterstützen.
  5. Ein “Nein” lässt sich meist auch einfach dadurch entschärfen indem du es begründest. Man wird dir nicht böse sein, wenn du zeitlich verplant bist oder andere Dinge erledigen musst. Lass’ es aber keine Angewohnheit werden, dich dann immer und überall zu rechtfertigen. Das ist definitiv der falsche Weg und so viel Selbstbewusstsein musst du dann schon aufbauen.
  6. Eine weitere Möglichkeit, die sich auch gerade gut im Beruf nutzen lässt, ist alternative Vorschläge zu unterbreiten. So kannst du deinen Chef ruhig (und ohne Angst zu haben) fragen, ob du deine aktuelle Aufgabe verschieben und die neue Aufgabe erledigen sollst oder ob sie bis danach warten kann.

Nur damit das klar ist: Du musst kein Egoist werden, um öfter mal “nein” zu sagen. Das sollst du auch nicht. Dir sollte aber bewusst sein, dass du zunächst einmal an deine Bedürfnisse denken musst bevor du dich um die Bedürfnisse deiner Mitmenschen kümmern kannst. Deiner Umwelt bringst du nicht viel, wenn du dir selbst keine oder zu wenig Aufmerksamkeit schenkst.

Du wirst merken, dass dir jedes weitere “nein” leichter fallen und dein Selbstbewusstsein dadurch weiter gestärkt wird. Es ist wie so oft, eine reine Frage der Übung. Durch dieses neu erlernte Verhalten wirst du auf dein Umfeld auch automatisch authentischer und stärker wirken, eine Eigenschaft um die dich viele beneiden werden.

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Zusammenfassung

Wir alle neigen gelegentlich dazu, Dingen nachzukommen, die wir eigentlich lieber ablehnen würden. Dadurch erhoffen wir uns Sympathien beim Gegenüber und müssen unsere Entscheidung nicht rechtfertigen.

Dieses Ja-Sagen führt dazu, dass wir uns immer mehr mit dem Leben anderer statt mit unserem eigenen Leben beschäftigen. Wir werden uns selbst untreu. Zusätzlich erziehen wir unser Umfeld dazu, dass ein “nein” von uns extrem unwahrscheinlich ist und man uns deswegen auch jederzeit fragen kann.

Analysiere deswegen, warum du in der Vergangenheit vielleicht oftmals “ja” gesagt hast, obwohl du gar nicht wolltest. Mach dir klar, dass das Leben auch dann weiter gehen wird, wenn du hin und wieder einmal etwas dankend ablehnst. Nimm dir Zeit zu überlegen, ob du etwas machen möchtest oder nicht. Begründe wenn nötig deine Entscheidung oder schlage Alternativen vor.

Du wirst sehen, dass es völlig okay ist “nein” zu sagen.